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Rote, grüne, gelbe, blaue,....

Als ich vor zwei Monaten ins Flugzeug stieg war mein Kopf voll mit bunten, leuchtenden aber äußerst fremdartigen Bildern von Afrika. Inzwischen hat sich heraus gestellt wie naiv diese Erwartungen waren. Bunt und leuchtend sind zwar passende Adjektive, aber jedes Gefühl der Fremde verlässt einen, wenn der vielstimmige Kindergesang „Sankt Martin, Sankt Martin,...!“ übers Gelände geistert. Dann nämlich entpuppen sich die besonders exotischen geglaubten Glühwürmchen zu gewöhnlichen Transparentpapier-Lampions und man kann schier gar die mahnende Kindergartenerzieherin „Passt mit den Kerzen auf!“ hören. Doch immerhin wurde mal wieder ein Schritt zu interkulturellen Kommunikation getätigt, indem auch die englischsprachige Bevölkerung Meskines in das deutsche Brauchtum eingeweiht wurde. Und was macht ein Exil Amerikaner angesichts solcher Neuheiten? Er verbindet sie diskret und souverän mit seinen eigenen kulturellen Prägungen. Sodann bekommen Kinder vor der Tür nicht mehr nur am 31.Oktober, sondern auch am 11. November Süßigkeiten zugesteckt. Doch Kamerun ist noch viel weit reichender von der deutschen Kultur infiltriert. Nicht mal genug, dass ich eh schon sprachlich überforderte Weiße im Krankenhaus plötzlich vom leitenden Arzt mit „Guten Tag! Wie geht es Ihnen?“ aus meiner Formular-Ausfüll-Trance gerissen werde- nein, es kommt noch schlimmer! Will man sich schließlich nach einer mit vielen Tausenderquadraten, Abspülbergen und Beinamputationen gefüllten Woche im Restaurant in der Stadt entspannen, erwartet einen doch tatsächlich ein Sauerkraut-Berg mit Schinken und Bratwurst! Die einem zuprostende Dirndelfrau auf dem Menü rundet diese absurde Welt im wahrsten Sinne des Wortes noch ab. Manchmal bricht aber auch die afrikanische Realität in unser trautes Heim hier ein. So erklangen vor einer Weile entsetzliche Hilfeschreie aus dem Hühnerstall und kurz darauf kam Lukas angejagt, als sei eine Herde der hier heimischen Buckelrinder hinter ihm her. Im halbdunklen Stall hatte er statt des erhofften Eies einen 1m langen Waran ertastet. Lukas überlebte den Schrecken- der Waran endete als Abendessen des Nachtwächters. Außerdem befinde ich mich im zermürbenden Dauergefecht mit Ameisenregimentern. Ein unbedacht liegen gelassenes Bonbonpapier, 5 Sesamkörnchen, etwas Milchpulver oder ein Krümel Brot und sofort ist auf dem Highway durch mein Zimmer Hauptverkehrszeit und jeder Barfußgänger wird drangsaliert. Beim Zurseitehüpfen trete ich dann womöglich noch auf einen überdimensionalen Tausendfüßler, oder eine Minieidechse. Wie gut, dass ich heute auch schon auf eine Kröte getreten bin. Wenn ich dann trotz der unzähligen kleinen, gelben Stechviechern meine Zähne geputzt habe und unter meinen Moskitonetz von frischer Milch und kurzen Hosen träumen will, werde ich abwechselnd vom pfeifenden oder Radio hörenden Nachtwächter oder dem plärrenden, verzerrten Muezzin gestört. Das Brummen des Kühlschrankes sowie das anhaltende Gebelle der Straßenköter und das nie verstummende Zirpen der Grillen kann ich inzwischen immerhin wunderbar überhören. Ach ja, langsam machen mir hier auch die kühlen Nächte zu schaffen. Dann wache ich bei 23°C fröstelnd auf und muss mich erst mal warm hopsen.
11.11.09 22:12
 


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