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He da! Ich bin Marike, die jetzt erstmal bis nächstes Jahr im Juli in Kamerun hocken wird. Dort hoffe ich, außer ein paar tropischen Krankheiten auch die Sprache und Gepflogenheiten der Fulbe kennen zu lernen. Deswegen helfe ich neben dem Fernschul-Unterricht auch im hiesigen Krankenhaus mit, wo die Hälfte der Belegschaft nur Fulfulde spricht und ich gezwungen bin mir diese Mundart anzueignen. Wenn ihr mich dabei etwas aufmuntern wollt, könnt ihr mir gerne schreiben (dauert an die 3-4 Wochen, Qualität braucht halt Zeit) c/o CMAO Meskine bp 382 Maroua Rep. de Cameroun

Alter: 26
 



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Winter in Kamerun

So, jetzt habe ich den Salat. In zwei Monaten häuft sich nämlich auch in Kamerun einiges an und das jetzt in einen lesbaren Text zu verwandeln ist fast so schwierig wie Couscous rühren. Nein, ich spreche nicht von diesen reisartigen Körnchen. Hier in Kamerun meint man damit eine zu handgroßen Bollen geformte Mischung aus wahlweise Hirse- oder Maismehl mit Wasser. Und beim Chorfestival durfte ich Nazara auch mal probieren diesen riesigen Kessel umzurühren. Ich bekam meinen einen Meter langen Kochlöffel nur unter größter Kraftanstrengung durch die Pampe gezogen. Dabei sollte man möglichst noch aufpassen nicht in das Feuer zu treten und wer Lungen hat, die auch noch aus rauchgeschwängerter Luft (man kocht in einer winzigen Hütte mit nur einem wirklich minikleinen Fenster) Sauerstoff entziehen können, ist eindeutig besser dran. Anschließend wurde dann jeweils zu zehnt von einem großen Teller (eher Tablett) gegessen. Das schwierigste war, sich nicht anmerken zu lassen, dass man sich am Couscous die Finger verbrennt. Messer, Gabel und Löffeln verhindern bei uns Weißis nämlich jegliche Abhärtung gegen Kochtopftemperiertes Essen. Da fühlen sich die Blicke der über 1000 Kameruner gleich nicht mehr so brennend an, wenn man als einzige Weiße im Saal mit seinem Chor auf der Bühnen versucht gleichzeitig zu singen und komplizierte Tanzschritte zu absolvieren. Aber schließlich hatte ich am Morgen genügend Zeit gehabt um mich innerlich darauf einzustellen Attraktion des Tages zu sein. 1 ½ Stunden durfte ich warten bis auch der letzte afrikanische Knödel endlich eingetrödelt war und die Fahrt auf der Ladefläche losgehen konnte. Ansonsten hatte ich aber eine recht gewöhnliche Weihnachtszeit. Dass Weihnachten in keinem Sinne weiß war, konnte ich darüber schier vergessen. Und blauer Himmel bei 38°C im Schatten statt einer frostig grauen Luft ist auch echt nichts so schlimmes. Wollsocken habe ich ja trotzdem getragen. Dank Räuchermännchen, Weihnachtspyramidchen, Krippenweg (aus Playmobil), vielen, vielen Plätzchen (schon mal mit Gasofen gebacken?), Rolf Zuckowskis Weihnachtsmusik und endlich mal genügend Zeit war ich mir nämlich trotzdem stets der Adventszeit bewusst; vielleicht sogar mehr denn je. Heilig Abend bewunderten wir unseren selbst gezimmerten Weihnachtsbaum und gingen dann am Lagerfeuer Grillen und Stockbrot rösten. Untermalt wurde das ganze von Trommelschlägen und Gesang aus der Nachbarschaft – die Dorfjugend feierte in den Geburtstag rein. Am 25. reihte auch ich mich in den Reigen aus bunten Gewändern ein und tanzte lachend durch den von unseren Füßen aufgewirbelten Staub. Und dann wieder Trommeln statt Neujahrsglocken. Statt Raketen waren meine importierten Wunderkerzen der Megahit. Am 1. traute ich mich dann das erste Mal seit Mitte November wieder ins Wasser. War aber noch etwas kalt, ich warte lieber bis das Thermometer über die 40°C steigt... Das ist stark komprimierten Bericht meiner Zeit hier. Zwischen den Zeilen gibt es noch viel mehr Tage mit Abenteuern wie Sifon säubern, Augsburger Puppenkiste schauen, das regelmäßige Ringen im Unterricht, oder mit dem Chor Salat mit den Händen essen. Womit also das Ende des Textes dem Anfang gleicht.
11.1.10 11:00


Rote, grüne, gelbe, blaue,....

Als ich vor zwei Monaten ins Flugzeug stieg war mein Kopf voll mit bunten, leuchtenden aber äußerst fremdartigen Bildern von Afrika. Inzwischen hat sich heraus gestellt wie naiv diese Erwartungen waren. Bunt und leuchtend sind zwar passende Adjektive, aber jedes Gefühl der Fremde verlässt einen, wenn der vielstimmige Kindergesang „Sankt Martin, Sankt Martin,...!“ übers Gelände geistert. Dann nämlich entpuppen sich die besonders exotischen geglaubten Glühwürmchen zu gewöhnlichen Transparentpapier-Lampions und man kann schier gar die mahnende Kindergartenerzieherin „Passt mit den Kerzen auf!“ hören. Doch immerhin wurde mal wieder ein Schritt zu interkulturellen Kommunikation getätigt, indem auch die englischsprachige Bevölkerung Meskines in das deutsche Brauchtum eingeweiht wurde. Und was macht ein Exil Amerikaner angesichts solcher Neuheiten? Er verbindet sie diskret und souverän mit seinen eigenen kulturellen Prägungen. Sodann bekommen Kinder vor der Tür nicht mehr nur am 31.Oktober, sondern auch am 11. November Süßigkeiten zugesteckt. Doch Kamerun ist noch viel weit reichender von der deutschen Kultur infiltriert. Nicht mal genug, dass ich eh schon sprachlich überforderte Weiße im Krankenhaus plötzlich vom leitenden Arzt mit „Guten Tag! Wie geht es Ihnen?“ aus meiner Formular-Ausfüll-Trance gerissen werde- nein, es kommt noch schlimmer! Will man sich schließlich nach einer mit vielen Tausenderquadraten, Abspülbergen und Beinamputationen gefüllten Woche im Restaurant in der Stadt entspannen, erwartet einen doch tatsächlich ein Sauerkraut-Berg mit Schinken und Bratwurst! Die einem zuprostende Dirndelfrau auf dem Menü rundet diese absurde Welt im wahrsten Sinne des Wortes noch ab. Manchmal bricht aber auch die afrikanische Realität in unser trautes Heim hier ein. So erklangen vor einer Weile entsetzliche Hilfeschreie aus dem Hühnerstall und kurz darauf kam Lukas angejagt, als sei eine Herde der hier heimischen Buckelrinder hinter ihm her. Im halbdunklen Stall hatte er statt des erhofften Eies einen 1m langen Waran ertastet. Lukas überlebte den Schrecken- der Waran endete als Abendessen des Nachtwächters. Außerdem befinde ich mich im zermürbenden Dauergefecht mit Ameisenregimentern. Ein unbedacht liegen gelassenes Bonbonpapier, 5 Sesamkörnchen, etwas Milchpulver oder ein Krümel Brot und sofort ist auf dem Highway durch mein Zimmer Hauptverkehrszeit und jeder Barfußgänger wird drangsaliert. Beim Zurseitehüpfen trete ich dann womöglich noch auf einen überdimensionalen Tausendfüßler, oder eine Minieidechse. Wie gut, dass ich heute auch schon auf eine Kröte getreten bin. Wenn ich dann trotz der unzähligen kleinen, gelben Stechviechern meine Zähne geputzt habe und unter meinen Moskitonetz von frischer Milch und kurzen Hosen träumen will, werde ich abwechselnd vom pfeifenden oder Radio hörenden Nachtwächter oder dem plärrenden, verzerrten Muezzin gestört. Das Brummen des Kühlschrankes sowie das anhaltende Gebelle der Straßenköter und das nie verstummende Zirpen der Grillen kann ich inzwischen immerhin wunderbar überhören. Ach ja, langsam machen mir hier auch die kühlen Nächte zu schaffen. Dann wache ich bei 23°C fröstelnd auf und muss mich erst mal warm hopsen.
11.11.09 22:12


Was sonst noch so passierte...

Sodele, damit der blog auch lebendig bleibt, muss ich mal wieder schreiben. Immerhin habe ich auch genügend Neues erlebt. Zum Beispiel habe ich das erste Mal in meinem Leben den Tag der deutschen Einheit gefeiert. Ja tatsächlich! Man stecke 30 Deutsche in eine mittelgroße Stadt in Kamerun und sie entwickeln plötzlich Nationalstolz. Alles war mit Hilfe diverser Fanartikel der letzten Fußball Events in Schwar-Rot-Gold geschmückt und der Kuchentisch begann sich schier zu biegen. Am Abend hieften sich die nun ziemlich kugelbäuchigen weißen Wesen wieder in ihre alten Jeeps oder knatterten auf Clandos davon. Auch ich habe meine erste Clando-Erfahrung nun hinter mir. Diese Gefährte, auch Moto genannt, sind eigentlich Motorräder, vom Klang her aber mehr Mofas. Die Fahrer tragen mehr oder weniger leuchtend gelbe Westen und belagern sämtliche Plätze, wo es einigermaßen viele Menschen gibt. Für umgerechnet 80 Cent kurvte ich also elegant zwischen den Schlaglöchern hindurch nach Maroua, ca. 20min Fahrt, wo sich unser kleiner FSJ-ler Haufen (7 junge, ambitionierte, mutige, reizende Weltenbummlerinnen und ein tapferer Geselle) traf um lustig zu palavern und sich am Kochen mit afrikanischen Zutaten zu versuchen (Mit Erfolg!). Für all jene nun sehr besorgten Verwandten (Motorradfahren ist ja so gefährlich!)- Ja das ist es wirklich. Bedenke man nur, dass einige Verkehrsteilnehmer noch Milchbart und Gelbschnabel tragen. Aber vorbildlich wie ich bin, konnte ich einen wunderhübschen, roten Helm mit Styroporpolster auftreiben. Und wenn man sich wagemutig bei Nacht vor das Krankenhaus begibt und dort unter einem Haufen Afrikaner zielstrebig den Chef findet, kann man sogar Motos organisieren, die Freunde in regnerischer Finsternis sicher nach Hause karren. Ansonsten ließ meine Gesundheit nach einer Malaria und einer miesen Erkältung (das ist nicht lustig, nur weil es hier warm ist) endlich zu, dass ich im Krankenhaus anfangen konnte. Ich kann nur sagen, dass wird mir noch eine große Herausforderung. Dachte ich bisher, ich könne Französisch einigermaßen gut verstehen, wurde ich nun Besserem belehrt: Falls das Französisch klingt wie in Frankreich, in der Umgebung niemand dauernd hustet, stöhnt oder gurgelt, niemand in Fulfulde dazwischen ruft, mein Gesprächspartner nicht gleichzeitig Verbände wechselt oder Tabletten austeilt und die Luft nicht nur ein warmer Brei aus Krankengeruch, Desinfektionsmittel, Körperflüssigkeiten und sonstigem ist, dann kann ich Französisch verstehen. Da diese Bedingungen schier unmöglich zu erfüllen sind, werde ich hier eine neue Sprache und auch Schrift lernen müssen, denn was da auf den Rezepten steht sind unmöglich lateinische Buchstaben. Da ich nebenher aber nur in noch drei anderen Sprachen kommunizieren muss, sollte das kein Problem darstellen. Wenn sich doch mal Zeichen eines Hirnknoten zeigen sollten, kann ich mich ja getrost zwischen die Patienten auf der Wartebank setzen und auf eine Sprechzeit, oder vielleicht eher Stammelzeit hoffen. Wer sich trotz dieser Zustände traut mit mir zu sprechen, kann es ja mal in Skype probieren. Dort heiße ich maaarike. Naja, aber eigentlich geht es mir hier immer noch ganz gut. Schließlich kann sich meine Zunge ja auch regelmäßig auf den schmerzlindernden Effekt von gutem Essen freuen. Wie heute Abend auf Kuchen und selbst gemachtes Eis. Und natürlich Kochbananen...
10.10.09 17:39


Nicht verpassen!

Ich hoffe, ihr habt alle den Link "Bilder!" entdeckt und könnt ein paar Einblicke in mein Leben hier haben.
10.10.09 17:37


Die ersten Wochen

Grüßt euch, meine Lieben! Jetzt habe ich endlich mal die Muße gefunden um den Blog zu Beginnen. An mangelnder Zeit lag es nämlich nicht; die hat man hier reichlich. Zwar bin ich eigentlich nur 15 Stunden pro Tag wach, aber es kommt mir viiiiel länger vor. Nicht mal die Begründung, dass ich hier einfach viel mehr Eindrücke habe, lässt sich anwenden. Manch ein Tag der letzten Woche war nur mit Essen, Agatha Christie, wahnsinnig viel Trinken und Vogelgezwitscherlaunschen gefüllt. Nun gut, mit den Kindern spiele ich zwischendurch natürlich auch noch, sonst steht Rabea wieder mit in die Hüften gestemmten Armen da und sagt keck: “Kommst du endlich mal?” oder Lukas blinkert mich mit seinen großen Augen an: “Du wolltest doch mit mir schaukeln....” Viermal die Woche habe ich mit Rabea Fernschule. Ich bin erstaunlich fit im Einmaleins! Ansonsten kommt man hier durchaus in den Genuss typisch deutscher Sachen wie Schatzsuche, nachmittäglichem Kaffee & Kuchen oder Zwiebelkuchen. Dafür ist der Markt umso afrikanischer und ich bin, glaube ich, die ganze Zeit mir weit aufgerissenen Augen rumgelaufen. Vielleicht wundert ihr euch, dass alles so herrlich grün ist. Das liegt daran, dass gerade die Regenzeit vorüber gegangen ist. In einigen Wochen wird das, was momentan noch ein Fluss ist nichts weiter als eine Staubpiste sein. Vermutlich verschwinden dann auch die nächtlichen Krötenparaden vor meinem Haus. Und die Mücken, die es irgendwie immer schaffen reinzukommen, da kann es noch so viele Gitter und Netze geben... Auf jeden Fall stehen die Grunddinge jetzt schonmal fest und ich kann anfangen Sachen wie im Krankenhaus arbeiten oder Sprache lernen in Angriff zu nehmen.
25.9.09 12:53





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